Ein Politiker, der zuhört – Hermann Kues, Chef der CDU-Landesgruppe

"Hermann Kues gehört zu einer seltenen Spezies unter den Politikern: Er kann zuhören. Und er legt Wert auf produktive Nachdenklichkeit. Und so geht der Lingener Bundestagsabgeordnete, seit gut 100 Tagen auch Chef des CDU-Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland, demnächst mit dem kompletten Vorstand in Klausur.
Da soll dann eben "nicht schwadroniert und pausenlos in Formeln geredet" werden, wünscht sich der 55-Jährige, der als Chef der niedersächsischen CDU-Landesgruppe auch im Bundestag eine gewichtige Rolle spielt.

Besonders abschreckend sei die Debatte über die Gesundheitsreform gelaufen. "Wir sprechen viel zu viel über Abbruch, über Kostensenkung. Das hört sich dann so technisch an, dass die Leute Angst bekommen und sagen, die wollen mir was wegnehmen", befindet der promovierte Volkswirt Kues. Statt sich über Details zu prügeln, müssten die Christdemokraten dringend ein positives Leitprojekt entwickeln. "Dann werden wir die Menschen gewinnen, gerade auch die Jungen."

Für Kues sind Wirtschafts- und Sozialpolitik eine untrennbare Einheit. "Was ist gerecht?" Das müsse die entscheidende Frage sein, fordert der Vater dreier Töchter, der sich auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken engagiert. Die CDU Osnabrück-Emsland galt lange als das "soziale Gewissen" der Union. "Diese Tradition wollen wir pflegen", sagt Kues. Auch heute könne die Region, wo die Wirtschaft prosperiere, weiter viele Babys zur Welt kämen und der soziale Zusammenhalt noch weitgehend stimme, wegweisend sein.

Schon als Kind hat der Parlamentarier, der mit sechs Geschwistern aufwuchs, Politik hautnah erlebt: Der Vater war Bürgermeister in Lingen-Holthausen. "Die Ratssitzungen fanden bei uns in der guten Stube statt", erinnert er sich. Mit 16 Jahren wurde auch er aktiv und trat bei der Jungen Union ein.

Kues’ Einfluss sollte nicht unterschätzt werden: Er weiß den starken Parteibezirk hinter sich. Er steht in engem Kontakt zu Ministerpräsident Christian Wulff. Und er zählt zu den Ratgebern von Parteichefin Angela Merkel. Die sonst so Misstrauische weiß es zu schätzen, dass Kues zu den wenigen zählt, die im Wettkampf Stoiber/Merkel klar für sie als Kanzlerkandidatin votierten. Dass Merkel auch 2006 antreten sollte, das ist für Kues keine Frage: "Sie hat es verdient. Für das gute Abschneiden der CDU in Schleswig-Holstein hat sie gekämpft. Das sollte man belohnen."

Neue Osnabrücker Zeitung vom 26.02.2005

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